12.09.2016 /
Usbekistan
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Usbekistan nach Islam Karimow - «Christen weiterhin als religiöse Extremisten angesehen»

Nach dem Tod des usbekischen Präsidenten Islam Karimow wird die Nation künftig erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion von einem anderen Regierungschef geführt werden. Dennoch dürfte der Druck auf religiöse Minderheiten unverändert stark bleiben. Davon gehen einheimische Christen im Gespräch mit Open Doors aus.

 

Burgdorf/Wien, 12. September 2016 – Islam Karimow war 1989 in Usbekistan an die Macht gekommen, kurz bevor die Sowjetunion kollabierte und sich in (bislang) 15 unabhängige Republiken auflöste. Unter seiner harten Hand entwickelte sich die Nation zu einer der harschesten Diktaturen in Zentralasien. Der Präsident unternahm alles, um an der Macht zu bleiben. Dazu gehörte auch das Verfolgen von Christen.

Am 2. September wurde nun der Tod Karimows bestätigt, sechs Tage nachdem er mit einem Infarkt ins Spital eingeliefert worden war.

 

Experten gehen nun davon aus, dass Shavkat Mirziyoyev der nächste Präsident  werden wird, der seit 2003 als Premierminister amtierte.

 

Kaum Veränderungen erwartet

Zu den Menschenrechtsverletzungen des Karimow-Regimes gehörte die andauernde, harte Unterdrückung der Christen. Die Bussen, die auf den Besitz von christlicher Literatur angesetzt sind, gehören weltweit zu den höchsten, sie können bis zu mehreren Jahresgehälter betragen.

 

Open Doors sprach mit mehreren usbekischen Christen. Auf die Frage wie er die Zukunft sehe, meine ein protestantischer Christ, der zu seiner Sicherheit anonym bleiben muss: «Ich erwarte keine drastischen Veränderungen. Auf Christen in Usbekistan warten weiterhin Schikanen durch die Behörden.»

 

Keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Ein Pastor analysiert im Gespräch mit Open Doors: «Die Haltung der Regierung wird sich uns gegenüber nicht ändern, es spielt keine Rolle, wer der neue Präsident sein wird. Natürlich hoffen wir auf eine bessere Zukunft.» Doch man müsse realistisch bleiben. «Unsere Regierung fürchtet sich vor Andersdenkenden. Uns ist nicht klar, weshalb unglücklicherweise christliche Gläubige in die Kategorie potentieller religiöser Extremisten fallen.»

 

Ein anderer Pastor einer ebenfalls geheimen Untergrundgemeinde meint: «Sollte der aktuelle Premierminister Shavkat Mirziyoyev Präsident werden, dürfte sich die Lage für uns Christen sogar noch verschlechtern. Entweder initiierte er bisher die Unterdrückung  der Christen und Christen mit muslimischem Hintergrund oder er war sehr stark darin involviert.»

Experten in Sachen Religionsfreiheit rechnen ebenfalls nicht damit, dass sich die Lage in Usbekistan rasch ändern wird. Usbekistan belegt auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors den 15. Rang. Die Oragnisation rechnet mit rund 200‘000 protestantischen Christen im Land; in den letzten zehn Jahren wurde jedoch trotz vielfältigen Versuche keiner Kirchgemeinde eine Registrierung gewährt. Erlaubt sind nur Zusammenkünfte in staatlich anerkannten Einrichtungen.