04.05.2018 /
Pakistan
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Pakistan: Christliche Familie erlebt ein "juristisches Wunder"

Es war unvorstellbar, aber Gott hat es möglich gemacht! Die Familie eines jungen Christen, der von Polizisten getötet wurde, kommt zu ihrem Recht. Das Ergebnis wurde von seinen Anwälten als "seltener Sieg" bezeichnet.

Was können pakistanische Christen von der Justiz erwarten in einer Gesellschaft, die sie an den Rand drängt? Menschlich gesehen, nichts. "Der aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen*", kann die verzweifeltsten Situationen umkehren. Am 9. Oktober 2017 brach in Sheikhupura, in der Provinz Punjab, für die Eltern von Arsalan Masih (16) die Welt zusammen. Sie hatten nicht nur gerade vom Tod ihres Sohnes nach einem brutalen Polizeiangriff erfahren. Sie mussten auch davon ausgehen, dass dieses Verbrechen wahrscheinlich ungestraft bleiben würde. "Wir hatten keine Hoffnung auf Gerechtigkeit, weil wir eine arme und ungebildete christliche Familie sind. Wir hatten keine Ahnung, wie wir in diesem Fall vorgehen sollten", erinnert sich Mushtaq Masih, Arsalans Vater.

Nach mehr als vier Monaten Haft boten die sechs Polizisten der Familie drei Millionen Rupien (rund € 19.000) nach dem islamischen Konzept des 'diyat' an: Blutgeld gegen Begnadigung. Am 14. März 2018 gab der Richter diesem Austausch nach pakistanischem Recht statt und sprach die sechs des Mordes beschuldigten Männer frei. Artikel 319 des pakistanischen Strafgesetzbuches besagt, dass "jeder, der versehentlich einen Mord verübt, 'diyat' begeht". Jedes Jahr überprüft die Regierung die Höhe des 'diyat': Sie beträgt im Jahr 2018 rund € 12.500. Shaheryar Gill, ein Anwalt, der die Familie in diesem Fall vertreten hat, sagt: "Meines Wissens wurden die Täter in bisher keinem Fall von Polizeigewalt, die zum Tod eines Christen führte, bestraft. Das ist ein seltener Sieg für unsere Anwälte, die dafür gesorgt haben, dass der Familie Gerechtigkeit widerfährt. Die Familie sagte, sie sei zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis."

Arsalan hatte sich mit Schulkameraden geprügelt, die mit einem der Polizisten verwandt waren. Gegen 17 Uhr betraten sechs Polizisten das Klassenzimmer. Sie brachten Arsalan nach draußen und schlugen ihn mit Fäusten, Tritten und mit ihren Gewehrkolben vor einer großen Zahl von Zeugen. Dann stießen sie ihn in einen Lieferwagen. Sein Vater sagt: "Arsalan starb im Kleintransporter, aber auf dem Polizeiposten weigerten sie sich, uns eine Beschwerde gegen seine Angreifer einreichen zu lassen. Daraufhin blockierten etwa 300 Christen aus Protest die Straße, woraufhin die Polizei den Fall aufzeichnete und eine Untersuchung eingeleitet wurde."

In Pakistan werden Christen oftmals diskriminiert, leben verarmt und sozial ausgegrenzt und werden manchmal sogar zur Zwangsarbeit gezwungen. Sie gelten als Bürger zweiter Klasse.

* Epheser 3, 20