20.04.2018 / news

Niger: Christ darf seinen Sohn nicht beerdigen

Abdou*, ein Christ muslimischer Herkunft, und seine Familie werden von der Dorfgemeinschaft unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren. Ihre Situation ist sehr typisch für die vieler Christen im Niger.

Drei Jahre arbeitete Abdou für eine christliche Familie. Er war als Muslim aufgewachsen, doch durch seinen Arbeitgeber lernte er Jesus kennen und entschied sich, ihm nachzufolgen, genauso wie seine Frau und ihre zwölfjährige Tochter Tchima*. Als Abdou in sein entlegenes Heimatdorf zurückkehrte, wurde sein Leben extrem hart – die Dorfgemeinschaft versuchte, die Familie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen.

Damit seine Tochter nicht gezwungen würde, einen Muslim zu heiraten, sandte Abdou sie zu ihrer Tante in eine Region, in der mehr Christen lebten. Dort wurde sie jedoch vergewaltigt und schwanger. Dies war für ihre Gasteltern eine solche Schande, dass sie sie mit einem Muslim verheirateten, der versprach, sich um Tchima und das Kind zu kümmern. Doch der Mann stahl Geld von ihr und verließ sie. Traumatisiert und niedergeschlagen kehrte die junge Frau schließlich zu ihren Eltern zurück.

Anfang dieses Jahres starb Abdous vierjähriger Sohn an Malaria. Wie in der Gegend üblich, wollte Abdou ihn noch am selben Tag beerdigen. Die Beerdigung ist ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis und normalerweise kommen viele Menschen zusammen, um mit der betroffenen Familie zu trauern. Aber nicht in diesem Fall. Es wurde Abdou verboten, seinen Sohn zu beerdigen, sollte er nicht zum Islam zurückkehren. Obwohl seine Frau ihn abhalten wollte, gab es aus Abdous Sicht keine Wahl: Er stimmte zu und durfte seinen Sohn bestatten.

Doch Abdous Frau hielt weiter an ihrem neugefundenen Glauben fest. Dies ließ Abdou keine Ruhe. Nach kurzer Zeit tat Abdou Buße und kehrte zu Jesus zurück. "Wir wollen jetzt einen Neuanfang mit Jesus starten", sagt Abdou. "Es ist unser ernsthaftes Verlangen, das Wort Gottes besser zu verstehen und ganz von Jesus abhängig zu sein."

Obwohl im Niger offiziell Religionsfreiheit gewährt wird, zeigt Abdous Beispiel, wie die Verfolgung von Christen häufig aussieht. Viele Christen stehen in ihrem alltäglichen Leben unter hohem Druck und wissen nicht, wie sie mit der Verfolgung umgehen sollen. Open Doors organisiert Seminare, um sie mit biblischen Grundlagen auszustatten, die ihnen helfen, der Verfolgung standzuhalten. Unsere Projekte zielen darauf ab, ihnen auch eine wirtschaftliche Grundlage zu geben.

Zwar steht der Niger nicht auf dem Weltverfolgungsindex 2018, doch werden die Christen dennoch wegen ihres Glaubens an Jesus verfolgt. Der Niger steht deshalb unter der Beobachtung von Open Doors.

*Decknamen