Türkei
Flagge
Regierungschef
Recep Tayyip Erdoğan
Bevölkerung
83 836 000
Christen
171 000
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Parlamentarische Republik


Überblick

Die Türkei verändert sich von einem säkularen Land zu einem Land, das immer mehr auf islamischen Normen und Werten beruht. Die Macht konzentriert sich zunehmend in den Händen von Präsident Erdogan. Die Opposition wird schikaniert. Die Türkei gilt als das Land mit den meisten Journalisten im Gefängnis. Es gibt einen zunehmenden Zug zu einem religiösen Nationalismus, der einen steigenden Druck auf die Christen ausübt. So weist z. B. die Regierung ausländische Christen aus. Gläubige, die den traditionellen Gemeinden wie der armenischen, der griechisch- oder syrisch-orthodoxen Kirche angehören, werden nicht als vollwertige Bürger anerkannt und sehen sich mit mannigfachen administrativen Schwierigkeiten konfrontiert.

Das Christentum ist in der Türkei seit der Zeit des Neuen Testamentes präsent. Der Apostel Paulus gründete Gemeinden, die von den Römern sehr schnell verfolgt wurden, aber der christliche Glaube entwickelte sich bis zur Ankunft der Osmanen. Der Völkermord an den Armeniern und Assyrern im Jahr 1915 blutete die Kirche aus. Nach dem Sieg im Griechisch-Türkischen Krieg anerkannte die Türkei im Vertrag von Lausanne (1923) vier religiöse Strömungen: den sunnitischen Islam, die griechisch-orthodoxe und die armenische Kirche sowie das Judentum.

Zur Situation der Christen

Die Mehrheit der Christen gehört der armenischen, syrischen, chaldäischen oder griechisch-orthodoxen Kirche an. Es gibt jedoch auch Katholiken und Protestanten sowie türkische Christen mit einem muslimischen Hintergrund. Die Zahl der christlichen Einwanderer ist mit der Ankunft von Flüchtlingen stark angestiegen. Der religiöse Nationalismus übt einen starken Druck auf alle Christen aus, besonders auf jene mit muslimischem Hintergrund. Es ist nicht illegal, den Islam zugunsten des Christentums zu verlassen, aber die Konvertiten setzen sich dem Widerstand ihrer Familien und der Gesellschaft aus. Sie können ihrer Erbrechte beraubt werden, und ihre Ehepartner können die Scheidung verlangen. Das ist der Grund, warum manche Christen ein Doppelleben führen. Christen, deren Religion obligatorisch in ihren Ausweispapieren eingetragen ist, werden bei der Suche nach Arbeit im öffentlichen und privaten Sektor diskriminiert.

Beispiele der Verfolgung
  • 11. Januar 2020 – Die Eltern eines katholischen Priesters der chaldäisch-katholischen Kirche in Istanbul sind im Südosten der Türkei entführt worden. Hurmuz und Şimoni Diril waren das letzte christliche Paar in ihrem Dorf. Die Leiche von Şimoni Diril wurde am 20. März gefunden.
  • November 2019 – Jinwook Kim wurde in Diyarbakir erstochen. Er war ein Mitglied einer kleinen christlichen Gemeinschaft. Türkische protestantische Christen sehen den Mord im Zusammenhang mit dem aktuellen antichristlichen Klima.
Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Als Opfer der allgemeinen Feindseligkeit Christen gegenüber haben es unsere Glaubensgeschwister schwer, ihren Glauben zu leben und zu teilen, selbst im Privaten. Die Aktionen gegen sie häufen sich: zwei getötete Christen, die Verweigerung von Visa für 25 im Ausland lebende Christen, die Verhaftung eines assyrischen Priesters und die Umwandlung des Hagia-Sophia-Museums (der ehemaligen Sophienkirche) in eine Moschee sind nur einige Beispiele, die einen Eindruck der Situation vermitteln. 

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, religiöser Nationalismus

Christenverfolgung

Rang im Index: 
25
Rang im letztjährigen Index: 
36