Iran
Flagge
Regierungschef
Ebrahim Raïssi
Bevölkerung
83 587 000
Christen
800 000
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik


Überblick

Im Iran gilt die Regierung als Hauptakteur der Verfolgung. Er betrachtet die Christen als sogenannte Agenten des Westens, deren politisches Ziel sei, das islamische Regime Irans zu schwächen. Am stärksten betroffen sind diejenigen Christen mit einem muslimischen Hintergrund. Die Christen der historisch anerkannten armenischen und assyrischen Kirchen werden vom Staat geduldet und geschützt, aber dennoch als Bürger zweiter Klasse betrachtet.

Christliche Gemeinden gibt es im Iran seit dem ersten Jahrhundert nach Christus. Sie verschwanden im 7. Jhd. mit der Ankunft des Islam fast völlig, überlebten aber trotzdem bis zum heutigen Tag. Protestantische Missionare kamen im 18. und 19. Jh. ins Land. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der zum Christentum übergetretenen Muslime so stark zugenommen, dass die Regierung Maßnahmen (Überwachung, Verhaftungen, Drohungen usw.) ergriff, um diese Entwicklung einzudämmen.

Zur Situation der Christen

Christen der historischen Kirchen werden geduldet, aber doch sehr stark überwacht und diskriminiert. Christen aller Konfessionen werden ausspioniert und damit ihr Recht auf Privatsphäre verletzt. Ihre Kinder erhalten wie selbstverständlich einen muslimischen Religionsunterricht. Ihr Zugang zu höherer Bildung und den Positionen im öffentlichen Dienst ist begrenzt. Christen dürfen das Erbe eines Muslim nicht annehmen.

Als Opfer islamistischer Unterdrückung werden Christen muslimischer Herkunft am stärksten verfolgt, in erster Linie durch die Regierung und in geringerem Maße durch ihre Familien und die Gesellschaft. Bestehende Kirchen zu besuchen, ist ihnen nicht erlaubt. So treffen sie sich in Untergrundkirchen. Falls die Polizei diese entdeckt, werden die Christen verhaftet, der Verletzung der nationalen Sicherheit beschuldigt und ohne fairen Prozess zu hohen Geldstrafen und langen Haftstrafen verurteilt. Wollen sie den Gefängnisaufenthalt vermeiden, müssen sie eine außerordentlich hohe Kaution zahlen, die sie sich nicht leisten können.

Beispiele der Verfolgung
  • 30. Juni und 1. Juli 2020 – Bei mehreren Razzien durch die Revolutionsgarden wurden mehr als zwanzig Christen aus ihren Häusern und Wohnungen heraus verhaftet. Am Abend des 30. Juni führte ein Informant die Geheimdienstagenten zu einem Haus in Teheran, in dem dreißig Christen versammelt waren. Einige wurden geschlagen, andere mit verbundenen Augen abgeführt. Am 1. Juli wurden sieben weitere Christen in Buschehr und drei in Malayer verhaftet, bevor sie gegen Kaution freigelassen wurden.
  • 12. Januar 2020 – Fatemeh Mohammadi (21), die sich seit ihrem Glaubenswechsel Maria nennt, wurde in Teheran wegen «Störung der öffentlichen Ordnung» festgenommen, weil sie an einer illegalen Versammlung teilgenommen hatte. Bis zu ihrer Freilassung am 26. Februar gegen Kaution, war sie im Frauengefängnis von Qarchak interniert. Bei ihrem Prozess am 14. April wurde sie zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung und zehn Peitschenhieben verurteilt.
Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Das kirchliche Leben wird von den Behörden völlig unterdrückt. Über Hundert Christen wurden im Laufe des Jahres wegen ihres Glaubens inhaftiert. Hauskirchen, deren Mitglieder sich in Wohnungen und Häusern von Konvertiten versammeln, werden von der Polizei durchsucht. Anerkannten ethnischen Gemeinschaften ist es verboten, ihren Glauben öffentlich zu teilen oder Gottesdienstzeremonien in Farsi abzuhalten. 

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Totalitarismus

Christenverfolgung

Rang im Index: 
8
Rang im letztjährigen Index: 
9