Indien
Flagge
Regierungschef
Narendra Modi
Bevölkerung
1 368 738 000
Christen
66 194 000
Hauptreligion
Hinduismus
Staatsform
Bundesrepublik


Überblick

Indien wird wegen seiner großen Wählerzahl oftmals als größte Demokratie der Welt bezeichnet. Doch das Land steht kurz davor, von einer säkularen Republik in eine Hindu-Nation abzudriften. Der Aufstieg der 2019 wiedergewählten Bharatiya Janata Party (BJP) von Narendra Modi begünstigt einen hinduistisch geprägten Nationalismus und stellt eine Herausforderung für einen kulturellen Pluralismus, für religiöse Toleranz, Minderheitenschutz, eine effektive Justiz und Rechtsstaatlichkeit dar.
 

Die Situation der Christen

  • Die Kirche in Indien besteht hauptsächlich aus Mitgliedern evangelisch-protestantischer Gemeinden. Die zweitgrößte Gruppe sind Christen katholischer und orthodoxer Gemeinden.
  • Die radikalen Hindus betrachten Christen als Ausländer. Das Ziel der Nationalisten ist es, das Land bis 2021 von jeglicher christlichen oder muslimischen Präsenz zu reinigen. Darunter leiden Christen hinduistischer Herkunft am meisten. Sie werden körperlich angegriffen und sogar ermordet. «Ghar Wapsi»-Kampagnen werden organisiert, um sie zur Rückkehr zum Hinduismus zu zwingen. Die im Mai 2019 wiedergewählte nationalistische Partei (BJP) hat nun das nötige Mandat, um ihr hinduistisches Programm durchzusetzten. Die Christen befürchten die Einführung landesweiter Anti-Konversionsgesetze und eine weitere Hinduisierung der Gesellschaft.
  • Das Christentum erreichte Indien im 1. Jh. und wurde im 15. Jh. durch katholische Portugiesen erweitert. Mit William Carey, einem Pastor der Baptisten, kam die evangelisch-protestantische Richtung. Carey hat die Bibel in fast alle in Indien gesprochenen Sprachen übersetzt.
     

Beispiele der Verfolgung

  • 30. August 2019 – Im nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesh wird ein noch strengeres Gesetz als das vorherige verabschiedet. Obwohl in diesem Bundesstaat die Christen nur gerade 0,18% der Bevölkerung ausmachen. Jede Person, die beschuldigt wird, jemanden durch Nötigung, Gewalt, Betrug oder Aufwiegelung zu bekehren, muss nun mit 5 statt wie vorher mit 2 Jahren Gefängnis rechnen. Unter «Aufstachelung» wird neu auch die »kostenlose Bildung in einer Schule, die von einer religiösen Organisation betrieben wird» verstanden.
  • 11. Februar 2019 – Im östlichen Bundesstaat Odisha (bis 2011 Orissa) wird ein 40-jähriger Christ getötet und enthauptet. Nach Angaben der Dorfbewohner benutzten Hindu-Aktivisten die naxalitisch-indische maoistische Guerillagruppe, um Anant Ram zu töten.
  • Dezember 2018 – Während der Feiertage werden mindestens 18 Vorfälle gegen Christen gemeldet. Sie fanden in den Bundesstaaten Uttar Pradesh, Uttarakhand, Tamil Nadu und Maharashtra statt. Im Dorf Kowad im Distrikt Kolhapur, Maharashtra, wird eine Weihnachtskundgebung am 23. Dezember durch 15 bis 20 maskierte Personen, die scharfe Waffen tragen, abrupt unterbrochen.
     

Weitere religiös verfolgte Gruppe

Muslime
 

Das «Gesicht» der Verfolgung

  • Die Christen sehen sich im zivilen Leben mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert. Das zeigt sich an der wachsenden Bedeutung der Behörden für Anti-Konversionsgesetze, an der negativen Berichterstattung über Christen in den Medien und an der alarmierenden Zunahme der Straffreiheit für radikale Hindus, die Minderheiten gewaltsam angreifen.
  • Die Verfolgung ist in den von der BJP regierten Bundesstaaten oder solchen mit Anti-Konversionsgesetzen ausgeprägter. Christen in ländlichen Gebieten werden besonders oft angegriffen, wenn es zu Unruhen kommt.
     

Empfehlungen für die Politik

  • Aufhebung der Anti-Konversionsgesetze und eine Verpflichtung, kein nationales Anti-Konversionsgesetz zu verabschieden,
  • strenge und sofortige Sanktionen gegen Verfolger,
  • Förderung von Toleranz und religiöser Vielfalt im politischen Diskurs.
     

Hauptmechanismen der Verfolgung

Religiöser Nationalismus, ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Christenverfolgung

Rang im Index: 
10
Rang im letztjährigen Index: 
10