Die verfolgten Frauen: unsichtbar und isoliert

Entdecken Sie die verborgene Welt der geschlechtsspezifischen Verfolgung

Das Forschungsteam von Open Doors veröffentlicht zum dritten Jahr in Folge seinen Untersuchungsbericht zur geschlechtsspezifischen Verfolgung. Auch dieses Jahr zeigen die Ergebnisse, dass die Verfolgung unterschiedliche Formen annimmt, je nachdem, ob sie sich gegen einen Mann oder eine Frau richtet. Die Missbräuche spiegeln die bereits bestehenden Ungleichheiten innerhalb einer Gesellschaft wider und werden durch diese noch verstärkt.

Für die Frauen sind sexuelle Gewalt und Zwangsheirat die allgemein am häufigsten genannten Mittel der Verfolgung. Die verheerenden Folgen dieser Formen der Verfolgung verurteilen sie zu einem versteckten und isolierten Leben schlimmer als der Tod. Open Doors veröffentlicht diesen Bericht mit dem Ziel, die zerstörenden Mechanismen aufzuzeigen, welche christliche Männer und Frauen bedrohen. Sie können den vollständigen Bericht auf Englisch lesen (untenstehender Link).

Den vollständigen Bericht auf Englisch lesen

Hauptsächliche Ergebnisse:

  • Die geschlechtsspezifischen Druckpunkte*, die die Christen aufgrund ihres Glaubens erleben, und die die Rangliste 2020 anführen, sind, in der Reihenfolge der Häufigkeit ihrer Nennung:
    • Für Männer: körperliche Gewalt, wirtschaftliche Benachteiligung und staatlich verordnete   Haftstrafe
    • Für Frauen: Sexuelle Gewalt, Zwangsheirat und körperliche Gewalt

Die ersten drei Druckpunkte für beide Geschlechter zeigen, wie Männer und Frauen gezielt entsprechend ihren soziokulturellen Rollenmustern, die sie im öffentlichen und privaten Bereich zu erfüllen haben, verfolgt werden. Der Status und die Rollen, die Männer und Frauen in der Gesellschaft einnehmen, bestimmen die Art der «Täter», welche die Christen unter Druck setzen können, damit sie ihrem Glauben abschwören, oder welche gegen sie Vergeltungsmassnahme ergreifen, damit sie ihren, gesellschaftlich nicht akzeptierten,  Glauben aufgeben.

  • Gewalt ist endemisch und geschlechtsspezifisch – Der Druckpunkt Nummer eins bei den christlichen Männern ist körperliche Gewalt (82% der befragten Experten in den 50 Ländern des Verfolgungsindex haben sie erwähnt), bei den christlichen Frauen sexuelle Gewalt (84% der Experten gaben sie an), wobei sie für die Frauen insgesamt mehr verschiedene Arten und Ausmasse von Gewalt nennen. Brutaler Zwang und Misshandlung liegen auch weiterhin allen anderen Formen der religiösen Verfolgung zugrunde; jegliche Drohung wird letztlich dadurch untermauert, dass der Täter schädigen und körperliche Gewalt ausüben kann.
  • Sexuelle Gewalt wird in allen Regionen der Welt gegen christliche Frauen ausgeübt – In allen christenfeindlichen Ländern, sei es in Asien, im Nahen Osten, in Nordafrika oder im subsaharischen Afrika, ist sexuelle Gewalt sehr oft ein «Gelegenheits»-Verbrechen, das von der gesellschaftlich üblichen Ausgrenzung der betroffenen Gemeinschaft begünstigt wird. So werden z. B. in Asien christliche Frauen entführt und in China zur Zwangsheirat verkauft wegen der sozioökonomischen Verwundbarkeit ihrer Gruppe. Auf der arabischen Halbinsel werden christliche Hausangestellte diskret ausgebeutet. Im subsaharischen Afrika überfallen und plündern Milizen christliche Dörfer, bei denen regelmässig Frauen angegriffen oder entführt und ihr Leben lang als Sexsklavinnen missbraucht werden.
  • Sexuelle Gewalt bringt die betroffenen christlichen Frauen und Mädchen zwar nicht um, lässt sie aber zerstört am Boden zurück und führt in lebenslängliche Isolation – In Ländern, in denen das Leben als Christin am schwierigsten ist, erleben die Frauen und Mädchen Verfolgung als eine Art unsichtbaren «inneren Tod» (Vergewaltigung, Zwangsheirat, Hausarrest). In diesem Kontext wird die sexuelle Gewalt als Mittel der Kontrolle und der Strafe genutzt.
  • Christliche Männer und Jungen werden gewaltsam in Milizen oder andere militärische Einrichtungen eingezogen, so dass ihre biblischen Werte von frühester Jugend an neutralisiert werden – In 66 % der untersuchten Länder stellen die gezielte Rekrutierung durch radikale Milizen sowie extrem harte und repressive militärische Praktiken die jungen Männer vor Dienstpflichten und Erfahrungen, die ihren christlichen Überzeugungen und Werten zutiefst widersprechen. Dadurch werden sie von Schuldgefühlen geplagt und ihre Beziehungsfähigkeit wird beeinträchtigt. Dies wiederum schwächt die Kirche in ihrer Fähigkeit, sich für den Frieden einzusetzen. In Lateinamerika werden junge Christen beispielsweise von den Drogenkartellen gezwungen, sich an gewalttätigen Handlungen zu beteiligen und die Ideale von Rache erfüllten Führern zu vertreten. In Subsahara-Afrika werden junge Erwachsene von dschihadistischen Gruppierungen gewaltsam rekrutiert.
  • Die geschlechtsspezifische religiösen Verfolgung ist Teil eines Kontinuums, das von Druck «auf kleiner Flamme» bis hin zu Gewalt im «eisernen Schraubstock» reicht – Körperliche Gewalt für Männer und Zwangsheirat für Frauen sind in allen drei Verfolgungskategorien (extrem, sehr schwer und schwer) des Weltverfolgungsindex** durchgehend hoch. In den Ländern mit schwerer Christenverfolgung hängt der auf Christen ausgeübte wirtschaftliche Druck davon ab, wie das Einkommen erzielt wird. In allen untersuchten Ländern, in denen extreme Verfolgung herrscht, bedeutet die brutale Gewalt für Männer den Tod und für Frauen und Mädchen sexuelle Gewalt.
  • Das Bewusstsein und die Reaktion der Kirche könnten die Jugend für die Zukunft bewahren – Gewiss können christliche Gemeinschaften nicht alle Formen der Repression eindämmen, die ihre Religionsfreiheit einschränken. Aber sie können zumindest so reagieren, dass sie nicht «in die Hände der Gesellschaft spielen», in der sie leben, und die auf ihre vorhersehbaren Reaktionen auf Gewalt zählt, um maximalen Schaden anzurichten. Mit diesem Wissen können die Gemeindeleiter Massnahmen ergreifen, um ihre Jugend zu schützen, insbesondere vor den Druckpunkten, die darauf abzielen, sie von ihren Gemeinden dauerhaft zu entfremden.

24.02.2020

* Die Druckpunkte der geschlechtsspezifischen Verfolgung umfassen sowohl Aspekte des Drucks als auch der Gewalt und werden in der Methodik des und Dokumentation zum Weltverfolgungsindex getrennt untersucht.

** Im Weltverfolgungsindex werden drei Kategorien des Ausmasses von Verfolgung unterschieden: Extrem (81-100 Punkte), sehr schwer (61-80 P.) und schwer (41-60 P.)

https://www.opendoors.at/sites/default/files/wwl_2020_list_top_50_de.pdf

Ressourcen: 
Open Doors Frauen